11. Januar 2013

Stromexport schlägt alle Rekorde: Wirklichkeit entlarvt Knappheitslüge der Atomwirtschaft

Tatsächlich wurde im vergangenen Jahr die Stromproduktion um etwa 1,3 % gesteigert, obwohl parallel dazu der Stromverbrauch um 1,3 % gesunken ist. So konnten 23 TWh ins Ausland verkauft werden. Das ist die Strommenge, die zwei Atomkraftwerke in einem Jahr produzieren.

Erfreulich ist auch, dass der Stromimport aus Tschechien im Jahr 2012 wohl auf dem niedrigsten Niveau seit der Jahrtausendwende ist. Es stimmt also auch nicht, dass durch die Abschaltung von Isar 1 im Jahre 2011 nun der Temelin-Strom verstärkt nach Bayern geliefert würde.

Leider gibt es keine aktuellen Zahlen über die Stromexportsituation in Bayern. Die jüngsten Zahlen des Wirtschaftsministeriums beziehen sich auf das Jahr 2009. Da aber Bayern seit 10 Jahren durchgängig Netto-Stromexporteur war und sich in den letzten Jahren der Ausbau der Erneuerbaren Energien insbesondere im PV-Bereich deutlich verstärkt hat, ist davon auszugeben, dass ein beträchtlicher Anteil des Stromexports auch aus Bayern erfolgt.

Ebenso erfreulich ist es, dass selbst in den so oft zitierten sehr kalten Februarwochen des letzten Jahres an 28 von 29 Tagen mehr Strom exportiert als importiert wurde. Gerne wird in der öffentlichen Debatte darauf hingewiesen, dass zur Erhaltung der Netzstabilität ein österreichisches Kraftwerk in Betrieb genommen wurde. Dass an 28 anderen Tagen im Februar 2012 unsere Nachbarländer Strom aus Deutschland im Saldo importiert haben, wird gerne verschwiegen.

Wir haben aber nicht nur genügend Stromerzeugungskapazitäten, sondern sie sind auch noch so kostengünstig, dass sie konkurrenzfähig auf dem europäischen Markt auftreten können. Dies führt dazu, dass die alten deutschen Atom- und Braunkohlekraftwerke Strom in die Nachbarländer liefern und dort (- wie auch bei uns -) bestehende Gaskraftwerke in die roten Zahlen treiben. Das führt beispielsweise in den Niederlanden dazu, dass dortige Gaskraftwerke massiv runtergefahren werden, aber auch bei uns geraten Gaskraftwerke zunehmend in rote Zahlen.

Das ist die negative Seite des Stromexportrekords und alles andere als erfreulich. Denn wir brauchen gerade die flexiblen Gaskraftwerke für den Umstieg zu einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien.

Angesichts des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren Energien und der in diesem Jahr vorgesehenen Inbetriebnahme von neuen fossilen Kraftwerken wird sich diese Situation weiter verschärfen. Die Gefahr weiterer Stilllegungen von Gaskraftwerken wächst. Gleichzeitig ist zu befürchten, dass es für Erneuerbare Energien wieder deutlich schwieriger wird ihren Strom ins Netz einzuspeisen, weil dort wieder schwer regelbare Atom- und Kohlekraftwerke das Stromnetz verstopfen.

Daher ist eine raschere Abschaltung alter Atomkraftwerke nicht nur möglich, sondern auch nötig. Aus meiner Sicht sollte das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld nach diesem Winter stillgelegt werden. Ein Weiterbetrieb von Grafenrheinfeld ist gefährlich und energiewirtschaftlich unnötig, ja sogar kontraproduktiv.

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2 Antworten zu “Stromexport schlägt alle Rekorde: Wirklichkeit entlarvt Knappheitslüge der Atomwirtschaft”

  1. Hans Pfister sagt:

    zunächsst einmal vielen herzlichen dank für Ihre ganzen Aktivitäten und Informationen!

    Dazu eine Frage und eine Anregung:

    1. Wenn wir soviel Strom exportieren, wieso importiert dann Bayern überhaupt noch Strom aus Tschechien?

    2. Wichtig, um Stomproduktion aus erneuerbaren Quellen noch zu erhöhen und fossile und atomare Stromerzeuger schneller überflüssig zu machen, ist intensivste Forschung in und Realisierung von ökologisch und dökonomisch sinnvollen, regionalen/lokalen Speichermöglichkeiten.

  2. Ludwig Hartmann sagt:

    Sehr geehrter Herr Pfister,

    Vielen Dank für Ihre Anfrage und entschuldigen Sie bitte meine verspätete Antwort.
    Zu Ihrer Frage nach den Stromimporten aus Temelin: In der gesamten öffentlichen Debatte über Stromimporte und –exporte wird immer wieder vermutet, dass die Stromtransporte über die Landesgrenzen hinweg deshalb notwendig wären, weil in einem der beteiligten Länder Strommangel herrsche. Dies ist in Mitteleuropa jedoch nur äußerst selten der Fall. In den allermeisten Fällen wird der Strom exportiert oder importiert, weil er in einem anderen Land in dem jeweiligen Moment gerade billiger produziert werden kann oder billiger angeboten wird. Diese Situation ändert sich teilweise mehrmals am Tag und danach entscheidet sich, ob mehr exportiert oder mehr importiert wird.
    Da Deutschland zu den meisten Zeiten hohe Überkapazitäten bei seinen Kraftwerken hat, wird z.B in vielen Stunden des Jahres Kohlestrom aus NRW in die Niederlande exportiert, weil dieser in NRW billiger hergestellt werden kann, als durch niederländische Gaskraftwerke.
    Der gesamte Stromhandel ist also primär vom Strommarkt her gesteuert und nicht vom Versorgungssicherheitsgedanken. Dies führt z.B. auch dazu, dass Deutschland seit Jahren im Winter mehr Strom exportiert als importiert und im Sommer (obwohl der Strombedarf dann insgesamt niedriger ist) mehr importiert als exportiert hat.
    Am Beispiel Tschechien: Es gibt immer wieder Situationen in denen der tschechische Strombedarf so niedrig ist, dass es tschechische Kraftwerke (Temelin) gibt, die in einer solchen Situation billiger Strom anbieten können, als deutsche Kraftwerke. Dann wird Strom von deutschen Händlern in Tschechien eingekauft. Tatsächlich lässt sich jedoch feststellen, dass der Umfang dieser Einkäufe in den letzten Jahren deutlich geringer geworden ist. Es gibt auch Situationen, in denen Deutschland von einem Land Strom importiert und gleichzeitig in ein anderes Land exportiert, etwa weil Strom in Tschechien gerade billiger ist, aber in Frankreich teurer verkauft werden kann. Der Stromimport aus Tschechien war zu Beginn des Jahrtausends bei ca. 12 bis 13 TWh und ist mittlerweile auf 6 bis 7 TWh gesunken.
    Die Angaben über das Stromexportsaldo 2012 geben die Summe über das gesamte Jahr an. Diese Summe ergibt sich aber aus einer langen Reihe von sehr unterschiedlichen Situationen.
    Ich stimme Ihnen zu, dass die Entwicklung von Speichermöglichkeiten für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien sehr wichtig ist. Es ist nötig hier entsprechende Forschungsarbeiten zu intensivieren, aber auch reale Speicherkapazitäten aufzubauen. Ich möchte aber bei der Gelegenheit auch darauf hinweisen, dass gerade in den letzten Jahren die bestehenden Speicherkapazitäten zunehmend unrentabel wurden – eben weil wir so hohe Überkapazitäten im Kraftwerksbereich haben. Wenn es insgesamt zu viele Kraftwerke gibt, lohnt sich die Speicherung nicht, weil wir kaum Mangelsituationen am Markt haben, d.h. andere Kraftwerke bieten billigeren Strom an, als die Speicherkraftwerke. Daher müssen nicht nur Erneuerbare-Energien-Anlagen und Speichermöglichkeiten gebaut werden, sondern eben auch die alten Kraftwerke tatsächlich vom Markt genommen werden.
    Ich hoffe Ihre Fragen und Anregungen entsprechend gewürdigt zu haben.

    Viele Grüße

    Ihr

    Ludwig Hartmann

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