Bayern braucht den Atomausstieg
Längere Laufzeit für Atomkraftwerke würde die Abhängigkeit vom Atomstrom dauerhaft zementieren.
Die Landtagsgrünen haben die Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung, die Gesamtlaufzeit von Atomkraftwerken möglicherweise auf 60 Jahre zu erhöhen, heftig kritisiert. „Gerade für Bayern mit seinen fünf AKW-Standorten würde das die Abhängigkeit von der Atomenergie auf Jahrzehnte zementieren“, sagte der energiepolitische Sprecher Ludwig Hartmann. Würden die Pläne von Union und FDP umgesetzt, könnte das letzte bayerische Atomkraftwerk Isar 2 erst 2048 endgültig abgeschaltet werden. „Keines der bayerischen Zwischenlager an den AKW-Standorten ist darüber hinaus für eine derartige Menge von Atommüll konzipiert, so dass in ganz Bayern neue Zwischenlager gebaut werden müssten“, warnt Ludwig Hartmann. Unverantwortlich nannte der grüne Energie-Experte darüber hinaus, dass die Laufzeit-Szenarien der Bundesregierung offenbar nur nach Wirtschaftlichkeitskriterien geprüft würden, nicht aber nach Sicherheit: „Schon jetzt müsste das dienstälteste bayerische AKW Isar 1 dringend vom Netz genommen werden, weil es durch seine Bauweise nicht gegen Terroranschläge geschützt ist und bereits deutliche Alterungserscheinungen zeigt.“ Eine Aufkündigung des geltenden Atomgesetzes und eine Verlängerung der Gesamtlaufzeit auf 60 Jahre würde die Abschaltung von Isar 1, die für 2011 ansteht, dagegen auf das Jahr 2039 hinausschieben.
Anstatt die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen, müsste besonders Bayern ein vitales Interesse daran haben, die einseitige Abhängigkeit von der Atomenergie aufzukündigen, so Ludwig Hartmann: „Kein Bundesland bezieht so viel Strom aus Atomenergie wie Bayern. Wer es ernst damit meint, die erneuerbaren Energien auszubauen, darf den Wettbewerb nicht dadurch ruinieren, dass er den Atomkonzernen weiter einen Freibrief für ihre längst abgeschriebenen Kraftwerke ausstellt. Damit würde den aktuellen bayerischen Boombranchen Wind, Sonne und Biomasse langfristig der Boden entzogen.“