Ludwig
Hartmann
Vizepräsident des
Bayerischen Landtags

Ungeklärter Befund an einer Rohrleitung des AKW Grafenrheinfeld während der Revision 2010 III: Rohraustausch

Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Ludwig Hartmann und Simone Tolle, Bündnis 90/Die Grünen vom 15.02.2011, mit Antworten des Bayerischen Umweltministers, Dr. Markus Söder, vom 21.03.2011 (kursiv dargestellt)

Während der Revision 2010 im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wurde unter anderem ein Thermoschutzrohr im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung untersucht und dabei ein Befund festgestellt, der bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist.

In diesem Zusammenhang frage ich die Staatsregierung:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
die Schriftliche Anfrage beantworte ich wie folgt:

1) Wurde bei der Beurteilung des Befunds durch die Bayerische Atomaufsichtsbehörde die zu erwartende Dauer des Anlagenstillstands im Fall einer sofortigen Ursachenerkundung im Zusammenhang mit einer zerstörenden Prüfung thematisiert?

Zu Frage 1:
Für das StMUG hat Sicherheit absoluten Vorrang. Die sicherheitstechnische Bewertung des TÜV Süd vom 15.06.2010 war eindeutig: Die Integrität der Rohrleitung ist in vollem Umfang gewährleistet. Ein Rohrtausch war somit nicht erforderlich. Die Dauer eines hypothetischen Anlagenstillstandes wurde nicht thematisiert.

2) Von welcher Beschaffungsdauer für das zu ersetzende Rohr ging man zum Zeitpunkt der Bewertung des Befunds im Juni 2010 aus?

Zu Frage 2:
Siehe Ziffer 1. Eine Beschaffungsdauer wurde vom StMUG nicht betrachtet.

3) Wer traf wann die Entscheidung, dass das besagte Rohr im Frühjahr 2011 ausgetauscht werden soll?

Zu Frage 3:
Das Staatministerium für Umwelt und Gesundheit hat die Ultraschallanzeige an der Volumenausgleichsleitung im Bereich des Thermoschutzrohres des KKW Grafenrheinfeld noch bei Anlagenstillstand zusammen mit dem TÜV Süd auf der Grundlage materialwissenschaftlicher Berechnungen eingehend geprüft und bewertet. Das Ergebnis war eindeutig: Die Integrität der Rohrleitung ist voll gewährleistet. Die Reaktorsicherheitskommission hat diese Einschätzung in ihrer Sitzung am 16.12.2010 bestätigt.
Im Rahmen der weiteren Behandlung des Sachverhalts wurde einvernehmlich entschieden, die Überprüfung im März 2011 durchzuführen.
Das StMUG hat in einer Besprechung am 14.12.2010 gegenüber dem Betreiber klargestellt, dass das Rohrstück in der Revision 2011 vorsorglich auszutauschen und zur Ursachenklärung materialwissenschaftlich zu untersuchen ist.

4) a) Welche Erkenntnisse führten zu dieser Entscheidung?

b) Welche Erkenntnisse führten dazu, das Rohr nicht früher auszutauschen?

Zu Frage 4:
Die sicherheitstechnische Bewertung aller beteiligten Stellen (StMUG, BMU, RSK, TÜV Süd) hat ergeben, dass ein sofortiger Tausch des Rohrstückes nicht erforderlich ist. Der Tausch erfolgt vorsorglich im Rahmen der Revision im März 2011. 

5) a) Ist die Bayerische Atomaufsicht weiterhin der Meinung, dass ein Austausch des Rohres bis 2012 nicht erforderlich ist?

b) Wenn nein, wann hat sie sich diese Auffassung zu eigen gemacht, und auf Grund welcher Erkenntnisse?

Zu Frage 5:
Die sicherheitstechnische Bewertung des TÜV Süd und der RSK war eindeutig. Die Integrität der Rohrleitung ist in vollem Umfang gewährleistet.
Die RSK hat in ihrer Sitzung am 16.12.2010 empfohlen, im Rahmen der Revision 2011, die für den März geplant ist, weitere Untersuchungen zur Ursachenklärung durchzuführen. Hierzu hält die RSK folgende Schritte für erforderlich: Erneute Ultraschallüberprüfungen und weitere materialwissenschaftliche Berechnungen sind durchzuführen. Der Befund und dessen Ursache sind zweifelsfrei zu identifizieren.  Im Zuge der Sachbehandlung wurde Einvernehmen erzielt, das Rohrstück vorsorglich im Rahmen der Revision 2011 auszutauschen und das ausgebaute Rohrstück materialwissenschaftlichen Untersuchungen zu unterziehen. Nur mit einem Austausch kann die Ursache des Befundes eindeutig geklärt werden. 

6) Wann wurde die geplante Revision 2011 auf 7 Wochen verlängert?

Zu Frage 6:
Die Dauer der Revision 2011 wurde – ab Mitte Dezember 2010 – im Rahmen der konkreten Planungen für die Revision festgelegt.

Ich bitte um getrennte Beantwortung der einzelnen Fragen bzw. Unterfragen.
Um Drucklegung wird gebeten.

Anbei habe ich Ihnen meine schriftliche Anfrage und die Antwort der Staatsregierung als pdf-Datei im Drucksachenlayout des Bayerischen Landtags hinterlegt.

Related Files

← Zurück