5. August 2014

Studie zu Pumpspeicherkraftwerken (Teil 2)

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Ludwig Hartmann, Bündnis 90/Die Grünen, vom 08.07.2014 mit den Antworten des Staatssekretärs für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, vom 05.08.2014 (kursiv dargestellt)

Nach einem Bericht des Münchner Merkurs vom 03.07.2014 habe die Staatsregierung im Jahr 2011 beschlossen „ein Kataster“ anzulegen, in dem „zigtausende“ potentielle Standorte im Rahmen einer Potenzialanalyse für den Bau von Pumpspeicherkraftwerken in Bayern untersucht werden sollten. Man habe laut dem Zeitungsbericht ein Ingenieurbüro für die Untersuchungen beauftragt. Vor einem Monat sei verlautbart worden, dass sich die Studie in der Endredaktion befände; eine Veröffentlichung im Frühsommer werde angepeilt. Mittlerweile solle die Studie jedoch möglicherweise überhaupt nicht mehr veröffentlicht werden. Aus dem Ministerium hieße es, dass noch vertiefende Untersuchungen und Abstimmungsprozesse notwendig seien. Außerdem sei ein Zusammenhang mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gegeben. Tatsächlich könne das Kataster jedoch „längst fertig sein“. Die Autor*innen des Artikels mutmaßen, dass der Ministerpräsident für die Nichtveröffentlichung der Studie verantwortlich sei. Zudem brauche es je weniger Pumpspeicherkraftwerke, desto mehr Stromtrassen zukünftig nach Bayern führen würden.

 

Vor diesem Hintergrund frage ich hiermit die Bayerische Staatsregierung:

1. a) Werden in der Studie auch verschiedene Szenarien untersucht, die Rückschlüsse auf die benötigte Anzahl von Pumpspeicherkraftwerken in Bayern geben können? b) Nach welchen Kriterien erfolgte die Vorauswahl für die Untersuchung der Standorte? c) Warum gibt es so viele zu untersuchende Standorte, wenn die Allermeisten vor allem aufgrund des benötigten Höhenunterschieds von vornherein ausscheiden sollten?

Zu 1 a):
 Die Studie dient der Abschätzung möglicher Pumpspeicherpotenziale in Bayern. Es werden keine Szenarien untersucht, die Rückschlüsse auf die benötigte Anzahl von Pumpspeicherkraftwerken in Bayern geben.

Zu 1 b):
 Die Ermittlung von Potenzialen für Pumpspeicherkraftwerke erfolgte anhand technischer, geologischer, umweltfachlicher, ökonomischer und infrastruktureller Kriterien sowie Untersuchungen und Abstimmungsprozessen, insbesondere in den Bereichen Naturschutz, Wasserwirtschaft und Geologie.

Zu 1 c):
 Limitierend für die Ermittlung der Potenziale für Pumpspeicherkraftwerke in Bayern sind landesweit gesehen nicht technisch-ökonomische Aspekte wie ein erforderlicher Höhenunterschied, sondern umweltfachliche Gesichtspunkte.

 

2. a) Aufgrund welcher Faktoren ermöglichen die Ergebnisse der Studie eine Abwägung der untersuchten Standorte? b) Liegen der Staatsregierung bereits (Zwischen-)Ergebnisse der Studie vor? c) Falls ja, um welche handelt es sich hierbei?

Zu 2 a):
 Die Potenziale für Pumpspeicher in Bayern werden anhand technischer, geologischer, umweltfachlicher, ökonomischer und infrastruktureller Kriterien ermittelt.

Zu 2 b): 
Die Bearbeitung der Studie fand in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt statt.

Zu 2 c):
 Ein Endergebnis liegt noch nicht vor. Soweit absehbar, gibt es in Bayern ein ausreichend großes Potenzial an Pumpspeicherkapazitäten.

 

3. a) In welchem Zusammenhang steht eine etwaige Nichtveröffentlichung der Studie mit den Beratungen zur Reform des EEG auf Bundesebene? b) Welche Gründe sprechen für eine Nichtveröffentlichung der Studie, wenn das EEG reformiert wird? c) Welche Auswirkungen für die Notwendigkeit des Baus von Pumpspeicherkraftwerken in Bayern prognostiziert die Staatsregierung aus der Reform des EEG?

Frage 3 a) und 3 b) werden gemeinsam beantwortet:
Zwischen der Veröffentlichung der Studie zu Pumpspeicherpotenzialen in Bayern und der (bereits abgeschlossenen) Reform des EEG auf Bundes- ebene besteht kein Zusammenhang.

Zu 3 c): 
Pumpspeicher bieten Leistungen, die bei zunehmendem Anteil volatiler erneuerbarer Energieträger und gleichzeitigem Wegfall gesicherter konventioneller Kraftwerkskapazitäten von wachsender Bedeutung sind. Insofern ist der systembedingte Ausbaubedarf an Pumpspeicherkapazitäten eng gekoppelt an die Ausbauziele für erneuerbare Energieträger. Die bei der Fortschreibung des EEG nun festgelegten Ausbaukorridore für die erneuerbaren Energieträger werden jedoch kaum Änderungen hinsichtlich der Möglichkeiten und Potenziale für Pumpspeicherkapazitäten haben.

 

4. a) Kann die Staatsregierung den Zusammenhang bestätigen, wonach mehr nach Bayern führende Stromtrassen weniger benötigte Pumpspeicherkraftwerke bedeuten würden? b) Liegt der Fokus der Staatsregierung auf dem Ausbau der Übertragungsnetze oder dem Bau von Pumpspeicherkraftwerken? Falls Frage b) nicht eindeutig beantwortet werden kann: Welche alternative Strategie verfolgt die Bayerische Staatsregierung, um die Versorgungssicherheit in Bayern sicherzustellen?

Zu 4 a):
 Pumpspeicherkraftwerke und Stromleitungen sind beides Bausteine zur Umsetzung der Energiewende, die jeweils durch ihre spezifisch eigenen Leistungen zur Vervollständigung des Großen Ganzen beitragen. Neue Stromleitungen dienen vor allem dem innerdeutschen Austausch von Strom aus erneuerbaren Energien und damit der Versorgungssicherheit. Pumpspeicherkraftwerke dienen vor allem der kurzfristigen Systemstabilisierung. Obwohl sowohl Pumpspeicherkraftwerke als auch Stromtrassen zur Sicherung, Stabilisierung und Optimierung des Energiesystems beitragen, kann doch das Eine nicht durch das Andere ersetzt werden. Der postulierte Kausalzusammenhang, wonach mehr nach Bayern führende Stromtrassen zwangsläufig weniger Pumpspeicherkraftwerke bedeuten würden, kann daher nicht bestätigt werden.

Zu 4 b): 
Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird ein höheres Ausmaß an Speicherkapazitäten, Transportkapazitäten, Regelungsaufwand und weiterer Systemdienstleistungen erforderlich machen. Der Fokus der Staatsregierung liegt auf einem optimalen Mix verschiedener Bausteine, um diese Anforderungen kostengünstig, umweltfreundlich und mit hoher Versorgungssicherheit zu bewältigen. Zu diesen Bausteinen gehören nicht nur der Ausbau der Übertragungsnetze, sondern z. B. auch die Forschung an neuen Speichersystemen, die Förderung und Erprobung neuer Regelungstechniken, das Demand-Side-Management, die Ertüchtigung der erneuerbaren Energien zur Erbringung von Systemdienstleistungen und nicht zuletzt auch ein Zubau von Gaskraftwerken.

 

5. a) Warum sprach sich die Bayerische Staatsregierung noch in der Plenarsitzung am 16.12.2010 gegen einen entsprechenden Antrag der GRÜNEN Landtagsfraktion aus, ein Kataster für Pumpspeicherkraftwerke zu erstellen? b) Welche Überlegungen haben binnen maximal eines Jahres zu einem Sinneswandel in der Staatsregierung geführt? c) Steht die verzögerte Veröffentlichung der Studie in Zusammenhang mit der etwaigen Befürchtung der Staatsregierung in den priorisierten Gebieten einen Aufschrei in der Bevölkerung zu erzeugen?

Die Fragen 5 a) und 5 b) werden gemeinsam beantwortet:
 Der Antrag der GRÜNEN Landtagsfraktion auf Erstellung eines Pumpspeicherkatasters wurde abgelehnt, da Aufgaben der Energieversorgung in die privatwirtschaftliche Eigenverantwortung der Energiewirtschaft abgegeben worden sind. Im liberalisierten Strommarkt ist es Aufgabe der Energiewirtschaft, Investitionsentscheidungen zu treffen und Planungen für Pumpspeicherprojekte durchzuführen. Von staatlicher Seite sollen weder bestimmte Standorte für Investitionsvorhaben vorgeschrieben, noch energiewirtschaftliche Investitionsentscheidungen eingeschränkt werden.

Mit der Studie zur Analyse der Pumpspeicherpotenziale in Bayern wird dem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien im Zuge der Energiewende nach Fukushima Rechnung getragen. Die neuen Ziele zur Stromversorgung aus erneuerbaren Energien (s. Bayerisches Energiekonzept 2011) verlangten eine Anpassung der Speicher- und Transportkapazitäten, um eine geordnete Entwicklung des Energiesystems zu gewährleisten. Die Grundlagen dazu sollen erarbeitet werden.

Mit der Studie wird kein Pumpspeicherkataster erstellt, sondern mögliche Potenziale für den Ausbau der Pumpspeicherkapazitäten ausgelotet. Für die Staatsregierung ist diese Untersuchung wichtig, um Grundlagen zu schaffen für Energiesystemanalysen und weitere Überlegungen zur Systemstabilität. Die Ausplanung konkreter Projekte, z. B. auch an den in der Studie ermittelten Potenzialflächen, obliegt nach wie vor der Energiewirtschaft.

Mit der Veröffentlichung der Pumpspeicherpotenzialstudie wird keine Festlegung für einzelne Standorte getroffen.

Der Fokus der Studie liegt auf den Möglichkeiten zur Realisierung von Anlagen mit hoher Leistung und Speicherkapazität, da sich bei größerer Dimensionierung i.d.R. die wirtschaftliche Darstellbarkeit verbessert und das Interesse von Investoren geweckt werden kann. Dies schließt aber eine Wirtschaftlichkeit kleinerer Anlagen nicht aus, da sich durch örtliche Gegebenheiten und Einbindung in das regionale Energiemanagement günstige Konstellationen zu Errichtung und Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken ergeben können.

Zu 5 c):
 Die Frage kann nicht beantwortet werden, da es derzeit keine Verzögerung gibt.

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Teil 1 der Anfrage „Studie zu Pumpspeicherkraftwerken“ finden sie hier. In Reaktion auf die Antwort auf meine Schriftliche Anfrage erschien am 21.08.2014 ein Artikel im Münchner Merkur, dessen Online-Version hier einsehbar ist.

Hier habe ich Ihnen meine Schriftliche Anfrage und die Antworten der Staatsregierung auch als pdf-Datei im Drucksachenlayout des Bayerischen Landtags hinterlegt.

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