Ludwig
Hartmann
Vizepräsident des
Bayerischen Landtags

Die Energietour kommt nach Unterfranken

10 Uhr: ZeWis

Das Zentrum für wissenschaftliche Services und Transfer ist eine Einrichtung der Hochschule Aschaffenburg und wurde vor etwa einem Jahr mit dem Ziel gegründet, eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aufzubauen. Unter der Führung von Prof. Dr. Hans-Georg Stark bietet das Zentrum unter anderem Auftragsforschung und Entwicklung für meist regionale Unternehmen an. Ein Arbeitsfeld ist die Energieeffizienz. Auf diesem Gebiet arbeitet Prof. Dr. Teigelkötter, der uns zusammen mit Prof. Dr. Stark auf dem Gelände des ICO im Landkreis Miltenberg, wo das Zentrum seinen Sitz hat, empfangen hat.

Im Gespräch wiesen die beiden Forscher darauf hin, dass seitens der Regierung die Aufgabe von Hochschulen (ehemals Fachhochschulen) immer noch hauptsächlich in der Lehre und weniger in der Forschung gesehen wird. Hier wünschen sie sich ein Umdenken, das sich in mehr Mitteln für Grundlagenforschung sowie einer höheren Bewilligung von Arbeitsstunden zur reinen Forschung ausdrückt. Nur so könne in ihren Augen die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft gefördert werden. Denn oftmals würden Unternehmen nicht das Risiko einer Kooperation auf einem Fachgebiet eingehen, auf welchem die Hochschulen aus Mangel an Geldmitteln noch keine Grundlagenforschung betreiben konnten. Im Nachhinein würden sich solche Grundfinanzierungen mit Sicherheit für alle Seiten lohnen und nebenbei, etwa auf dem Gebiet der Energieeffizienz, die Energiewende voranbringen, so Stark.

14 Uhr: Fraunhofer IWKS in Alzenau

Zweite Station des Tages war die Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) des Fraunhofer Instituts für Silicatforschung in Alzenau. Die beiden Mitglieder der Projektgruppe, Jasmin Raslan und Dr. Thorsten Enz erläuterten mir und meinem Kollegen zunächst den Hintergrund, der zur Gründung der IWKS geführt hat. Für alle elektronischen Geräte, vom Handy bis zur Windkraftanlage, benötigt man eine Vielzahl von mehr oder weniger seltenen Rohstoffen. Die beiden Forschenden gehen davon aus, dass sich mittlerweile eine gewaltige Menge dieser Rohstoffe in den besiedelten Gebieten befindet, die es einzusammeln und wieder aufzubereiten gilt. Was bei anderen Wertstoffen wie Papier, Glas oder Plastik längst zur Normalität geworden ist, muss sich jetzt vor dem Hintergrund der globalen Ressourcenknappheit auf elektronische Bauteile und Geräte ausweiten. Laut Raslan wäre es heutzutage um einiges sinnvoller, anstelle des oftmals menschenunwürdigen und naturunverträglichen Rohstoffabbaus in fernen Regionen der Welt ein Konzept des „Urban Mining“, also der städtischen Rohstoffsicherung, anzuwenden. Genau dort will die Fraunhofer Projektgruppe ansetzen. Dieser Ansatz erstreckt sich auf zwei Ebenen. Erstens soll nach technischen Verfahren zur Trennung von Objekten, die wertvolle Rohstoffe enthalten, geforscht werden. Zweitens soll an Mechanismen geforscht werden, die zu einer Verhaltensänderung in der Öffentlichkeit führen, damit ungenutzte, „städtische“ Rohstoffe ihren Weg in den Wertstoffkreislauf zurückfinden. Denn ohne Recycling sind Zukunftstechnologien aufgrund der Ressourcenknappheit nicht möglich, so Raslan.

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