Konflikte lösen lernen: Wie „Senior Partner in School“ das Schulklima verbessert
Lehrer:innenmangel, wachsender Einfluss von Social Media, steigendes Konfliktpotenzial und eine spürbar höhere psychische Belastung: viele Gespräche mit Schulen und Initiativen zeigen, dass der Alltag von Schüler:innen ist anspruchsvoller geworden ist.
Studien bestätigen diese Entwicklung. Leistungsdruck, Zukunftsängste, Krisen in der Welt und die ständige Verfügbarkeit belastender Informationen über soziale Netzwerke wirken auf Kinder und Jugendliche ein. Fast die Hälfte fühlt sich stark unter Druck, ein Drittel erlebt regelmäßig Mobbing. Das bleibt nicht ohne Folgen, weder für die individuelle Entwicklung noch für das Miteinander in der Schule. Gerade deshalb braucht es gezielte Unterstützung im Schulalltag.
Raum für Zuhören und Konfliktlösung
Im Gespräch mit Gabriele Horsmann von Senior Partner in School (SiS) und Ute Volz vom Verein Eleven – Verein für Kinder- und Jugendförderung e.V. wurde deutlich, welches Potenzial in gezielter Beziehungsarbeit steckt.
Senior Partner in School verfolgt einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz: Ehrenamtlich engagierte Senior:innen werden in gewaltfreier Kommunikation ausgebildet und gehen als Mentor:innen und Konflikt-Coaches an Schulen. Dort geben sie keine fertigen Lösungen vor, sondern hören zu, vermitteln und schaffen Raum, in dem Kinder selbst Wege finden können, Konflikte zu lösen.
Der Grundgedanke dahinter ist zentral: Kinder können nur dann gut lernen, wenn sie sich wohlfühlen. Leider fehlt es im Schulalltag oft an Zeit für Gespräche, an individueller Zuwendung, an stabilen Beziehungen.
Konkreter Mehrwert für Schüler:innen
Die Wirkung solcher Programme ist messbar und im Schulalltag spürbar:
- Kinder lernen, Konflikte eigenständig und gewaltfrei zu lösen
- Sie entwickeln soziale Kompetenzen wie Empathie, Zuhören und Kompromissfähigkeit
- Das Klassenklima verbessert sich nachhaltig
- Psychische Belastungen können reduziert werden, weil Probleme früh aufgefangen werden
- Lernen fällt leichter, wenn die emotionale Basis stimmt
An Schulen, an denen Senior Partners in School aktiv ist, berichten 71 % der Lehrkräfte von einer spürbaren Entlastung, 67 % sehen einen positiven Einfluss auf das Schulklima. Das zeigt: Hier wird strukturell unterstützt.
Demokratie beginnt im Klassenzimmer
Was auf den ersten Blick wie Konfliktmediation wirkt, geht weit darüber hinaus: Wenn Kinder lernen zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, dann lernen sie die Grundlagen demokratischen Zusammenlebens.
Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft ist das von unschätzbarem Wert. Programme wie SiS leisten damit einen direkten Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt – im Kleinen, aber mit großer Wirkung.
Eine Chance für alle Generationen
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Ältere Menschen bringen Lebenserfahrung, Zeit und die Bereitschaft mit, sich einzubringen. In einer alternden Gesellschaft hat dieses Engagement ein enormes Potenzial.
Initiativen wie SiS schaffen eine Brücke zwischen den Generationen. Sie ermöglichen es Senior:innen, aktiv zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beizutragen und geben gleichzeitig Kindern die Unterstützung, die sie dringend brauchen.
Doch dieses Potenzial wird noch längst nicht ausgeschöpft. Viele Schulen würden das Angebot gerne nutzen, doch es fehlt an Ehrenamtlichen und an struktureller Unterstützung.
Was jetzt politisch zu tun ist
Aus den Gesprächen können drei zentrale politische Handlungsfelder mitgenommen werden:
- Kooperationsmanagement an Schulen stärken
Jede Schule braucht eine Stelle, die Bedarfe systematisch erfasst und Kooperationen mit externen Partnern organisiert, von Mentoring über Konfliktmediation bis hin zu weiteren Unterstützungsangeboten. - Ein staatliches Gütesiegel für gemeinnützige Bildungsinitiativen
Schulen sind oft überlastet und können externe Angebote kaum prüfen. Ein anerkanntes Gütesiegel würde Vertrauen schaffen und Kooperationen deutlich erleichtern. - Ehrenamt sichtbarer machen und besser vernetzen
Engagement findet nicht nur im Sportverein oder bei der Feuerwehr statt. Kleine Organisationen im Bildungsbereich leisten einen entscheidenden Beitrag. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen.
Wenn wir über Bildung sprechen, dürfen wir nicht nur über Lehrpläne und Noten reden. Wir müssen auch über Beziehungen, Vertrauen und das soziale Miteinander sprechen. Programme wie Senior Partner in School zeigen, was möglich ist, wenn Menschen sich einbringen und Strukturen dies unterstützen.