Ludwig
Hartmann
Vizepräsident des
Bayerischen Landtags

Wohnraum vermitteln und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken: Besuch bei Fairmieten in Oberhaching

Bezahlbarer Wohnraum ist in Bayerns Städten knapp. Besonders für Menschen mit geringem Einkommen oder für Geflüchtete, die nach ihrer Anerkennung Anspruch auf eigenen Wohnraum haben, wird die Wohnungssuche häufig zur kaum lösbaren Aufgabe. Es gibt Eigentümerinnen und Eigentümer, die grundsätzlich bereit wären zu helfen – die aber unsicher sind, wie sie Wohnraum sozial verantwortlich vermieten können, ohne selbst ein Risiko einzugehen.

Bindeglied zwischen Vermietern und Menschen, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum Chancen haben

Beim Besuch des Vereins Fairmieten Oberhaching e.V. wurde deutlich, wie ein pragmatischer Ansatz dazu beitragen kann, diese beiden Seiten zusammenzubringen und damit gesellschaftlichen Zusammenhalt konkret zu stärken:

Der gemeinnützige Verein versteht sich als Bindeglied zwischen Vermietern und Menschen, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Das Konzept ist einfach, aber wirkungsvoll: Fairmieten tritt selbst als Zwischenmieter auf. Eigentümer schließen den Mietvertrag mit dem Verein, der die Wohnung wiederum an Menschen weitervermietet, die sonst nur schwer Zugang zum Wohnungsmarkt finden. Der Verein stellt die Kaution, garantiert die pünktliche Mietzahlung und übernimmt Verantwortung für das Mietverhältnis.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer nimmt dieses Modell viele Sorgen. Befürchtungen, etwa dass Mietverhältnisse nur schwer beendet werden können oder Wohnungen stärker genutzt werden als vereinbart, werden durch klare vertragliche Regelungen und die Rolle des Vereins als verantwortlicher Vertragspartner abgefedert. Vermieter können zudem mitentscheiden, an wen ihre Wohnung untervermietet wird und Mietverhältnisse bei Bedarf auch befristen.

Besonders sichtbar wird die Bedeutung solcher Initiativen bei der Situation vieler Geflüchteter, die nach einem erfolgreichen Asylverfahren die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen müssen. Obwohl sie Anspruch auf eigenen Wohnraum haben, finden viele keine Wohnung und bleiben als sogenannte „Fehlbeleger“ in Unterkünften, die eigentlich für Menschen im laufenden Asylverfahren vorgesehen sind. Initiativen wie Fairmieten können hier eine wichtige Brücke schlagen.

Auch auf dem Land: Perfekte Zwischennutzung für das Elternhaus aus den 80ern

Auch im ländlichen Raum zeigt sich Potenzial: Immer wieder stehen Häuser oder Wohnungen leer, etwa wenn ein Elternhaus nach einer Erbschaft zunächst ungenutzt bleibt. Für Eigentümer, die ihre Immobilie langfristig behalten möchten, kann eine zeitlich begrenzte Vermietung über einen Träger wie Fairmieten eine sinnvolle Zwischenlösung sein und gleichzeitig dazu beitragen, dringend benötigten Wohnraum verfügbar zu machen.

Der Verein betreut derzeit mehrere Mietverhältnisse und hat zugleich eine lange Liste von Wohnungssuchenden. Gesucht werden aktuell vor allem Menschen im Raum Oberhaching und Umgebung, die ihr Eigentum an sie vermieten möchten. Das zeigt, wie groß der Bedarf weiterhin ist. Zugleich wird deutlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht allein von politischen Entscheidungen lebt, sondern auch von engagierten Menschen vor Ort, die Verantwortung übernehmen und praktische Lösungen entwickeln.

Lösung für eine der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit: den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum

Damit solche Ansätze ihr volles Potenzial entfalten können, braucht es allerdings auch eine Verwaltung, die vorhandene Spielräume nutzt und neue Modelle pragmatisch begleitet. Ein Problem ist beispielsweise, wenn Sachbearbeiter:innen in den Sozialämtern den Untermietvertrag mit Fairmieten nicht als richtiges Mietverhältnis anerkennen und daher den geflüchteten das Wohngeld verweigern. Wo aber die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gelingt, entstehen konkrete Lösungen für eine der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit: den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum.

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