30. Juli 2019

Strom muss dort produziert werden, wo er benötigt wird

Im nördlichen Bayern an der Grenze zu Thüringen liegen gleich drei große Glashütten in einem Umkreis von weniger als 12 Kilometern. Die Geschäftsführer von Heinz-Glas, Wiegand Glas und Gerresheimer Tettau bangen um die Zukunft der Glasindustrie im Frankenwald, denn schwankende Energiepreise und fehlende Planungssicherheit bei Klimaschutz und Energiewende machen den Glasunternehmen zu schaffen.

Ludwig Hartmann hat sich in Kleintettau mit den in der Region ansässigen Glasmachern getroffen und sich mit Carl-August Heinz (Heinz-Glas Holding), Nikolaus Wiegand (Wiegand Glas) und Bernd Hörauf (Gerresheimer Tettau) über die Herausforderungen der Glasindustrie ausgetauscht. Im Mittelpunkt stand die energieintensive Erzeugung von Glas: Um den enormen Bedarf an Strom durch erneuerbare Energien decken zu können und unabhängiger in der Energieversorgung zu werden, wollen die Glasunternehmer einen schnellen Netzausbau und die Möglichkeit, vor Ort Energie zu gewinnen. Carl-August Heinz, Nikolaus Wiegand und Bernd Hörauf fordern deshalb neben Stromtrassen einen Windpark in der Nähe ihrer Firmen im nördlichen Frankenwald.

Der Naturpark Frankenwald ist ein ein sensibles Gebiet, wenn es um die Ansiedlung von Windrädern geht, weshalb die Glasunternehmer starken Gegenwind durch Politik und Bürgerinnen und Bürger vor Ort spüren. Wichtig wäre neben dem Dialog deshalb auch, Gebiete für Windkraftanlagen zu finden, wo sie Landschaftsbild und Natur möglichst wenig stören. Damit die Energiewende im Frankenwald gelingt und die Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben, muss ein Umdenken in der Region erfolgen und die regionale Politik, regionale Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger einen Weg finden, Strom aus erneuerbaren Energien vor Ort zu produzieren.

Die gute Nachricht ist: Der Dialog findet bereits statt. Mit dem Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE), Holger Kempf, nahm Ludwig Hartmann an einer zweieinhalbstündigen Diskussionsrunde mit Gewerkschaftsvertretern, regionalen Politikerinnen und Politikern und Unternehmern teil. Im Fokus standen die regionale Energiepolitik, der Klimaschutz über eine CO2-Bepreisung und ein Zielvereinbarungsmodell für die Wirtschaft.

Ludwig Hartmann unterstützt die Glasunternehmer in Oberfranken und fordert mehr Verlässlichkeit in der Strompolitik von Bundes- und Landesregierung. Entscheidungen dürfen nicht wieder zurückgenommen werden – wie seinerzeit der Atomausstieg. Der Zeitpunkt für den Bau neuer Energieinfrastruktur ist durch die niedrigen Zinsen günstig. Durch eine dezentrale Energiegewinnung in Verbindung mit einer intelligenten Stromsteuerung und -speicherung kann der Energiebedarf auch dann gedeckt werden, wenn er hoch ist.

Am Ende der Diskussionsrunde übergaben die Glasunternehmer und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie die sogenannte „Tettauer Erklärung“ an Ludwig Hartmann. Darin haben die IG BCE, Unternehmen und weitere Interessensverbände einen Forderungskatalog zu Klimaschutz und Energiepolitik zusammengestellt.

Ludwig Hartmann: “Windkraftbewusstsein zu schaffen ist nicht einfach, aber der Netzausbau muss kommen. An sonnigen Tagen haben wir in Bayern mehr Strom im Netz als wir brauchen. Aber er sollte besser noch dort produziert werden, wo man ihn dringend braucht!“

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