10. Februar 2017

Entwicklung und Finanzierung von Schneekanonen und Skiliften – Stand 2016

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Ludwig Hartmann Bündnis 90/Die Grünen vom 30.11.2016 mit den Antworten des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, vom 10.02.2017 (kursiv dargestellt)

Hiermit frage ich die Bayerische Staatsregierung:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
die Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Ludwig Hartmann, Bündnis 90/Die Grünen, vom 30. November 2016 beantworte ich im Einvernehmen mit den Bayerischen Staatsministerien für Umwelt und Verbraucherschutz, des Innern, für Bau und Verkehr sowie der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat wie folgt:

1. a) Wie viele Förderanträge im Rahmen des Seilbahnprogramms, des Förderprogramms für die gewerbliche Wirtschaft (BRF) und der Gemeinschaftsaufgabe (GRW) wurden seit 2009 bis heute gestellt (aufgeschlüsselt nach Regierungsbezirken; bitte konkrete Gebiete benennen)?
b) Wie hoch waren jeweils die Investitionssummen (aufgeschlüsselt nach Seilbahn/Liftanlagen, Beschneiungsanlagen und sonstige Investitionen, nach Fördersatz und Fördersumme)?
c) Wie viele dieser unter a) angeführten Förderanträge wurden in welcher Höhe genehmigt?
2. a) Wie viele der unter 1. a) genannten Anträge befinden sich noch in der Genehmigungsphase?
zu 1. a) bis c) und 2.a): Die Angaben bzw. Antworten zu den Fragen 1 und 2a) wurden in der als Anlage beigefügten Übersicht zusammengefasst. (Anm.: die Anlage können Sie der unten verlinkten pdf-Datei entnehmen)

2. b) Wie hoch ist die jährliche Gesamtfördersumme aus dem Seilbahnprogramm seit dessen Auflage im Jahr 2009 bis heute?
zu 2.b): Im Rahmen des Seilbahnprogramms wurden seit 2009 insgesamt 37 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme in Höhe von 43,2 Mio. EUR bewilligt.

2. c) Welches Fördervolumen wurde im noch nicht ganz beendeten Jahr 2016 bewilligt?
zu 2. c): Im Jahr 2016 wurde insgesamt ein Zuwendungsbetrag in Höhe von 10,8 Mio. EUR bewilligt (Seilbahnprogramm und BRF).

3. a) Wie hat sich die Anzahl der Beschneiungsanlagen seit 2009 bis heute entwickelt?
zu 3. a):
Anzahl der Beschneiungsanlagen:
2009: 124
2010: 134
2011: 138
2012: 142
2013: 144
2014: 152
2015: 156
2016: 156

3. b) Wie verteilen sich die Anlagen auf die Landkreise und Regierungsbezirke in Bayern?
c) Von wem werden die neuen Anlagen betrieben (bitte einzeln auflisten)?
zu 3. b) und c): Vgl. beigefügte Statistik zur Aufteilung der genehmigten Beschneiungsanlagen auf die bayerischen Regierungsbezirke und Landkreise (die Anlage ist der unten verlinkten pdf-Datei zu entnehmen). Aufgrund datenschutzrechtlicher Anforderungen werden die Namen bestimmter oder bestimmbarer natürlicher Personen in anonymisierter Form dargestellt.

4. a) Wie hoch waren jeweils die Errichtungskosten für die seit 2009 bis heute geschaffenen Anlagen, die im Rahmen der Förderung des Hochleistungssports erfolgten?
b) Wie verteilen sich die Kosten jeweils auf private Investoren, Kommunen, Freistaat Bayern, Bund und EU?
zu 4. a) und b): Für die Jahre 2009 bis einschließlich 2015 nehmen wir Bezug auf die Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz vom 4. Februar 2016 zu Nr. 4 der gleichlautenden Frage aus der Schriftlichen Anfrage von Herrn Ludwig Hartmann, MdL, vom 8. Dezember 2015.
Danach wurden für Beschneiungs- und Liftanlagen an Bundesstützpunkten (BSP) und Landesleistungszentren (LLZ) von 2009 bis einschließlich 2015 im Rahmen des Spitzensports Mittel in Höhe von insgesamt rd. 6,8 Mio. € bewilligt. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

170210 Grafik 1

Im Jahr 2016 sind folgende Maßnahmen hinzugekommen, für die Landesmittel bewilligt bzw. in Aussicht gestellt wurden:

170210 Grafik 1a

Die verbleibenden anteiligen Kosten für Beschneiungsanlagen sind aus Eigenmitteln des jeweiligen Trägers zu bestreiten.

5. a) Wie hat sich die beschneite Fläche in Bayern seit 2009 bis heute insgesamt und pro Regierungsbezirk entwickelt (bitte Angabe in ha)?
zu 5.a): Derzeit beschneite Fläche in ha:

170210 Grafik 2

 

5. b) Wie hat sich die beschneite Fläche im Vergleich zu den Jahren 1996, 2001 und 2006 entwickelt (bitte Angabe in ha)?
zu 5. b): Es wird auf Frage 1. a) der Drs. 15/7629 verwiesen. Detailliertere Informationen zur Entwicklung liegen nicht vor, da die geführte Statistik nur einen Überblick über den aktuell genehmigten Bestand der Beschneiungsanlagen verschaffen soll.

6. a) Wo und wann (bitte konkret datieren) wurden seit 2007 Schneiteiche mit jeweils welchem Volumen eingerichtet?
zu 6. a): Siehe Tabelle unter 6. b).

6. b) Wurden bei der Genehmigung der Schneiteiche Auflagen bezüglich eines Rückbaus gestellt, wenn ja, wo und welche?
zu 6. b):

170210 Grafik 3

 

170210 Grafik 4

 

170210 Grafik 5

 

7. a) Wie verteilt sich die beschneite Fläche in Bayern nach derzeitigem Stand (absolut und prozentual) auf die Schutzzonen A, B und C des Alpenplans?
zu 7. a): Genehmigte Beschneiungsflächen in Bayern (Stand: 22.12.2016):

170210 Grafik 6

Genehmigte Beschneiungsflächen innerhalb des Alpenplans, aufgeteilt auf die Zonen A, B und C:

170210 Grafik 7

7. b) Wie viele der seit 2009 geförderten Beschneiungsanlagen sind in den Schutzzonen B und C des Alpenplans aktiv (jeweils aufgeschlüsselt nach B und C sowie nach Jahr der Förderung)?
zu 7. b): Geförderte Beschneiungsanlagen in Bayern seit 2009 (Stand: 31.12.2016):

170210 Grafik 8

 

 

 

 

 

 

 

 

8. a) Gibt es Überlegungen oder ist bereits konkret geplant, das Förderprogramm für kleine Skigebiete über das Jahre 2019 hinaus zu verlängern?
zu 8. a): Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Überlegungen, das Seilbahnprogramm über das Jahre 2019 hinaus zu verlängern.

8. b) Wie sind nach Ansicht der Staatsregierung die hohen Fördersummen für Seilbahnen und Beschneiungsanlagen vor dem Hintergrund zu rechtfertigen, dass in Bayern in absehbarer Zeit nur noch ein Skigebiet (Zugspitze) wirtschaftlich betrieben werden kann?
zu 8. b): Die in der o.a. Fragestellung formulierte Auffassung, „dass in Bayern in absehbarer Zeit nur noch ein Skigebiet (Zugspitze) wirtschaftlich betrieben werden“ könne, wird nicht geteilt:
Moderne und komfortable Seilbahnen nehmen im Tourismus auch in Zukunft eine Schlüsselfunktion ein. Sie sind für Urlauber bei der Wahl eines Ferienortes in der Bergregion entscheidend — und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Nach der Erhebung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Ludwig-Maximilians- Universität München (Dezember 2013) schafft bzw. sichert ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn fünf Arbeitsplätze in der Region. Darüber hinaus generieren 1.000 Euro Umsatz bei einer Seilbahn insgesamt 5.100 Euro Umsatz im Umfeld (Hotels, Skischulen, Gastronomie, indirekt bei Handel, Handwerk).
Auf mittelfristige Sicht ist und bleibt der Schnee die Existenzgrundlage des alpinen Wintertourismus. Einer Skiregion, die ihre gesamte Infrastruktur seit Jahrzehnten dem Wintertourismus gewidmet hat, kann nicht von heute auf morgen die Grundlage entzogen werden. Insofern ist der Einsatz technischer Beschneiung auch ein Instrument, den Veränderungsprozess im Winter- sport-Tourismus volkswirtschaftlich verträglich zu gestalten.
In diesem Zusammenhang wird (wiederholt) darauf hingewiesen, dass im Rahmen des Seilbahnprogramms Beschneiungsanlagen für sich allein nicht gefördert werden. Zudem ist eine der wesentlichen Bewilligungsvoraus- setzung, dass die Fördermaßnahme – neben der Wahrung der Belange des Umweltschutzes und der Einhaltung des Alpenplans – auch für den Sommer- tourismus ausgerichtet ist. Für den Fall, dass auch Maßnahmen zur technischen Beschneiung vorgesehen sind, werden zudem die voraussichtlichen klimatischen Verhältnisse der kommenden 20 bis 30 Jahre berücksichtigt.

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Hier habe ich Ihnen meine Schriftliche Anfrage und die Antwort der Staatsregierung auch als pdf-Datei im Drucksachenlayout des Bayerischen Landtags hinterlegt.