10. Mai 2017

Nachfragen zum Vertragsstand zwischen den Bayerischen Staatsforsten und Ilim Timber Bavaria

Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Ludwig Hartmann und Markus Ganserer, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vom 06.04.2017, mit den Antworten des Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, vom 10.05.2017 (kursiv dargestellt)

Der Presseberichterstattung, beispielsweise dem Landsberger Tagblatt vom 03.03.2017, Seite 23, ist zu entnehmen, dass der Vertrag zwischen der Ilim Timber Bavaria GmbH und den Bayerischen Staatsforsten um drei Jahre verlängert wurde. In der Antwort auf unsere Schriftliche Anfrage vom 15.06.2015 auf Drs. 17/7857 am 04.08.2015 führt die Staatsregierung aus, dass der zum 30.06.2017 auslaufende Vertrag mit der Ilim Timber Bavaria GmbH die Option eines Neuvertrags zur Weiterlieferung im Anschluss an das Vertragsende für weitere drei Jahre und einer Menge von 300.000 Festmetern pro Jahr zu den jeweiligen Marktpreisen beinhaltet. Diese Konditionen decken sich mit den Presseinformationen. Ferner wird in der genannten Antwort der Staatsregierung erwähnt, dass nach 2005 auch zahlreiche kleinere und regionale Sägewerke Investitionen getätigt hätten. Auf der anderen Seite diagnostiziert die Staatsregierung in der Antwort auf Frage 7 b der Drs. 17/7857, dass mittel- und langfristige Verträge von kleinen und mittleren bayerischen Sägewerke nicht nachgefragt werden würden.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Staatsregierung:
Die Schriftliche Anfrage wird auf Grundlage des Berichts der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) wie folgt beantwortet:

1. a) Wie lang beträgt die Laufzeit des verlängerten Vertrages der Bayerischen Staatsforsten mit der Ilim Timber Bavaria GmbH?
zu 1. a): In einem außergerichtlichen Vergleich haben sich die BaySF und Ilim Timber Bavaria auf ein Ende des Vertrages zum 30.06.2017 geeinigt. Dieser Vergleich beinhaltet die Option eines Neuvertrags (also keine Verlängerung des bis dahin bestehenden Vertrags) zur Weiterbelieferung im Anschluss an den zum 30.06.2017 auslaufenden Vertrag für 3 Jahre mit einer Menge von 300.000 fm pro Jahr zu jeweiligen Marktpreisen.

1. b) Bestehen vertragliche Festsetzungen bezüglich einer erneuten automatischen, ggf. konditionierten, Verlängerung des Vertrags über den oben erfragten Zeitraum hinaus?
zu 1. b): Es bestehen keine solchen vertraglichen Festsetzungen.

1. c) Wurde der zum 30.06.2017 auslaufende Vertrag bereits zu den im Vorwort beschriebenen Konditionen verlängert?
zu 1. c): Derzeit laufen noch die Vertragsverhandlungen, ein neuer Vertrag wurde noch nicht abgeschlossen (Stand 09.05.2017).

2. a) Falls ja, wann?
zu 2. a): Siehe Antwort zu Frage 1 c.

2. b) Falls ja, wie lauten die Vertragspartner?
zu 2. b): Der Verhandlungspartner der BaySF ist die Ilim Timber Bavaria GmbH.

3. a) Wurde der in Drucksache 17/7857 behandelte Vertrag zwischen den Bayerischen Staatsforsten und Ilim Timber Bavaria seit den Antworten der Staatsregierung vom 04.08.2015 nochmals geändert oder durch Nachtrag ergänzt?
zu 3. a): Nein.

3. b) Falls ja, wann und mit welchem Inhalt?
zu 3. b): Siehe Antwort zu Frage 3 a.

4. a) Ist der Staatsregierung bekannt, wie hoch die jeweils jährliche Bilanz der Holzlieferungen an die Ilim Timber Bavaria GmbH seit Vertragsbeginn am 04.04.2005 war?
zu 4. a): Es wird auf die Drucksache 17/7857 verwiesen. Dort wird in der Antwort zu Frage 5 ausführlich erläutert, warum eine solche Bilanz nicht sinnvoll ermittelt werden kann.

4. b) Ist der Staatsregierung bekannt, wie sich die Einschnittskapazität der bayerischen Sägewerke seit 2005 entwickelte?
zu 4. b): In den Jahren nach 2005 haben Neu- und Erweiterungsinvestitionen in den bayerischen Sägewerken zu einer Erhöhung der Einschnittskapazitäten um ca. 6,5 Mio. fm/Jahr geführt.
Die 2016 veröffentlichte Clusterstudie Forst Holz Papier 2015 beschreibt diese Entwicklung der Sägeindustrie in Bayern. Der Umsatz der bayerischen Sägeindustrie stieg von 1,2 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro (2005–2013). Die Erhöhung der Einschnittskapazitäten und der um 40 Prozent gestiegene Schnittholzpreis trugen wesentlich zu diesem Wachstum bei. Die Gesamtkapazität der bayerischen Sägeindustrie wird in der Studie auf ca. 15 Mio. Festmeter ohne Rinde geschätzt.

4. c) Ist der Staatsregierung bekannt, wie sich die Einschnittskapazität der von den Bayerischen Staatsforsten belieferten Sägewerke seit 2005 entwickelte?
zu 4. c): Die BaySF beliefern hauptsächlich Sägewerke in Bayern, aber auch in angrenzenden Bundesländern sowie im frachtnah gelegenen Ausland. Für die belieferten Sägewerke in Bayern gilt die unter Frage 4 b dargestellte Entwicklung. Genaue Zahlen über die Entwicklung der Einschnittskapazitäten der von den BaySF belieferten Sägewerke liegen den BaySF nicht vor.

5. a) Ist der Staatsregierung bekannt, wie viele Sägewerke es zurzeit in Bayern gibt (bitte getrennt nach kleineren und mittleren sowie größeren und großen Betrieben)?
zu 5. a): Auf Grundlage der Clusterstudie Forst Holz Papier 2015 sind folgende Angaben zu Anzahl und Größe der Sägewerke in Bayern möglich:
Statistisch erfasst sind demnach in Bayern ca. 1.200 Sägewerke, die Zahl der aktiven Sägewerke liegt aber deutlich niedriger. So wurden im Rahmen der Untersuchungen für den Bericht zum „Energieholzmarkt Bayern 2014“ von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft 671 aktive Sägewerke in Bayern erfasst. Die Einschnittskapazitäten verteilen sich nach der Clusterstudie wie folgt:
83 Prozent der Betriebe gehören zur kleinsten Größenklasse mit einer Einschnittskapazität von weniger als 5.000 m³ Rohholz. 13 Prozent haben eine Kapazität von 5.000 bis 20.000 m³ Rohholz und nur jeweils 2 Prozent verfügen über eine Kapazität von 20.000 bis 50.000 m³ bzw. über 50.000 m³ Rohholz.

5. b) Wie viele bayerische Sägewerke werden von den Bayerischen Staatsforsten beliefert?
zu 5. b) Im Kundenportfolio der BaySF befinden sich knapp 500 bayerische Sägewerke, rund 300 davon werden aktuell beliefert.

5. c) Wie viele außerbayerische Sägebetriebe werden von den Bayerischen Staatsforsten beliefert?
zu 5. c): Aktuell werden von den BaySF rund 70 außerbayerische Sägewerke beliefert.

6. a) Handelt es sich dabei jeweils um kurz-, mittel- oder langfristige Lieferverträge?
zu 6. a): Die Strategie der Holzvermarktung der BaySF beruht auf einer Mischung aus lang- und kurzfristigen Kundenbeziehungen auf regionaler und überregionaler Ebene. Derzeit werden neben kurzfristigen auch mehrjährige Lieferverträge mit bis zu 3 Jahren Laufzeit abgeschlossen.
Detaillierte Angaben zu den jeweiligen Vermarktungsmengen und Vertragslaufzeiten bei mehrjährigen Verträgen können bei der geringen Zahl dieser Verträge mit Rücksicht auf den Vertrauensschutz der Kunden und die wirtschaftlichen Interessen der BaySF nicht veröffentlicht werden.

6. b) Wie entwickelten sich die Holzpreise für das Leitsortiment Fi 2b und für Kiefer 2b im Bayerischen Staatswald bzw. bei den Bayerischen Staatsforsten seit 1996? (Angaben bitte unterteilt in langfristige-, mittelfristige- und kurzfristige Verträge)
zu 6. b): Eine nach Vertragslaufzeiten aufgeschlüsselte Darstellung der Daten ist nicht möglich. Die Holzpreisentwicklung für Fichtenstammholz über alle Güteklassen frei Waldstraße zeigt exemplarisch die nachfolgende Grafik. Eine statistische Aufbereitung der Verkaufsdaten für eine vergleichbare Darstellung der Baumart Kiefer wird bei den BaySF nicht durchgeführt.

170510 Ilim Timber Tabelle 1

6. c) Ist der Staatsregierung bekannt, wie sich der Anteil von mittelfristigen und langfristigen Verträgen kleiner und mittlerer bayerischer Sägewerke als Kunden der Bayerischen Staatsforsten, gemessen zum einen an der Anzahl der betrieblichen Vertragspartner und zum anderen an den jährlich abgenommenen Festmetern Holz, jährlich seit 2007 entwickelt hat?
zu 6. c): Seit Herbst 2007 sind Mehrjahresverträge auch für kleine und mittlere Kunden möglich. Das Interesse an solchen Verträgen ist aufgrund der damit verbundenen Bedingungen (Preisbindung auch bei Katastrophenfällen und Kalamitäten, kontinuierliche Holzabnahme und kein Windwurfabschlag) sehr verhalten. Es kam nur in wenigen Einzelfällen zu Vertragsabschlüssen. Anteil und Entwicklung sind im Ergebnis vernachlässigbar.

7. a) Ist der Bayerischen Staatsregierung bekannt, wie sich der Vermarktungsanteil für kleine und mittlere bayerische Sägewerke als Kunden der Bayerischen Staatsforsten und ihrer Kundenbetreuerbüros seit 2010 jährlich entwickelt hat?
zu 7. a): Die BaySF unterscheiden zwischen der regionalen Vermarktung durch die Forstbetriebe und der überregionalen Vermarktung durch die Kundenbetreuerbüros. Kleine und mittlere Sägewerke sind regelmäßig Kunden der regionalen Vermarktung. Der Anteil der regionalen Vermarktung durch die Forstbetriebe im Rahmen der Geschäftsjahre (GJ) 2006 bis 2016 ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:

170510 Ilim Timber Tabelle 2

Der Anteil der regionalen Vermarktung sinkt seit dem GJ 2015. Dies lag in jüngster Vergangenheit daran, dass sich die regionalen Kunden nach dem Sturmtief „Niklas“ (31.03.2015) vor allem mit Holz aus dem Privat- und Kommunalwald eingedeckt hatten.
Von der überregionalen Vermarktung werden kleine und mittlere Sägewerke hauptsächlich im Laubstammholzbereich sowie mit Sondersortimenten, wie z. B. Palettenholz, bedient. Dieser Anteil hat sich seit 2010 nicht wesentlich verändert.

7. b) Ist der Staatsregierung bekannt, welchen Anteil kleine und mittlere bayerische Sägewerke an der überregionalen Vermarktung haben?
zu 7. b): Siehe Antwort zu Frage 7 a.

7. c) Ist der Staatsregierung bekannt, was die Gründe für die mangelnde Nachfrage von mittel- und langfristigen Verträgen durch kleine und mittlere bayerische Sägewerke sind?
zu 7. c): Die Gründe sind in der Antwort zu Frage 6 c ausgeführt.

8. Wie viele langfristige Lieferverträge haben die Bayerischen Staatsforsten abgeschlossen, wie lange laufen diese und welche Mengen (getrennt nach Holzart und Sortimente) werden darüber vermarktet?
zu 8.: Detaillierte Angaben zu den jeweiligen Vermarktungsmengen und Vertragslaufzeiten bei mehrjährigen Verträgen können bei der geringen Zahl dieser Verträge mit Rücksicht auf den Vertrauensschutz der Kunden und die wirtschaftlichen Interessen der BaySF nicht veröffentlicht werden.

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Hier habe ich Ihnen meine Schriftliche Anfrage und die Antwort der Staatsregierung auch als pdf-Datei im Drucksachenlayout des Bayerischen Landtags hinterlegt.

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