14. Oktober 2020

Hoch über dem Mangfallgebirge: Flächenverbrauch aus der Vogelperspektive

Bei einem Tandem-Gleitschirmflug hat sich Ludwig Hartmann ein Bild vom Flächenverbrauch im Tegernseer Tal gemacht. Rund um Rottach-Egern werden – anders als in vielen anderen Bayerischen Orten – jedoch weniger Industriebauten aus dem Boden gestampft, hier sind der starke Straßenbau und die jahrzehntelange Zersiedelung das Problem. Beide kosten immer mehr Grünflächen – zu Lasten der Natur und der Landschaft. Durch den Tourismus und die Nähe zu München bedingte Bau-Historie entstanden in den 50er und 60er Jahren viele große Gebäude, die nun Bezugspunkte für die Bebauung von heute sind. Viele der Gebäude sind Spekulationsobjekte, die für ortsansässige Familien zu teuer sind und das Ortsbild für den Tourismus negativ beeinflussen.

 

Foto: Andreas Gregor

 

„Die Straßen fressen sich weit in das Tal hinein, das Tal ist vielfach schon zugebaut. Der Flug hat mir noch einmal bestätigt: Wir brauchen eine Politik, die denkt, bevor der Bagger kommt. Ziel muss es sein, diese einmalige Naturschönheit auch als Landschaft erhalten.“ – Ludwig Hartmann

 

Gemeinsam mit Thomas Tomaschek, dem Grünen- Fraktionsvorsitzenden im Kreisrat, und 15 weiteren Grünen Gemeinde- und Kreisräte*innen und einige andere Gästen diskutierte Ludwig Hartmann über Baugestaltungssatzungen, Nachverdichtung und das Erbschaftssteuergesetz. Ein Signal gegen Leerstände könnte die Veräußerung der Grundstücke auf Erbpacht und eine Grundsteuer für Leerstände sein. Modelle wie Erbpacht können eingesetzt werden, um relativ günstigen Wohnraum zu schaffen, da die enormen Bodenrichtwerte nicht bezahlt werden müssen.

 

Thomas Tomascheck und Ludwig Hartmann | Foto: Andreas Gregor

 

Ein weitere Problem, gerade für die Jüngeren im Tal, ist der große Anteil an Zweitwohnungen, die 20 Prozent der Wohnfläche einnehmen. Es braucht dringend neue Ideen und Modelle zur baulichen Entwicklung, um nachhaltig und sinnvoll mit den knappen Flächen umzugehen. Eine Lösung liegt in einer zielorientierten Bauleitplanung, die vor Ort gemacht werden muss.

 

Foto: Andreas Gregor

 

„In Sachen Flächenverbrauch läuft in ganz Bayern was falsch“, bestätigte Ludwig Hartmann. Denn während seit der Jahrtausendwende die Bevölkerung in Bayern um 6,9 Prozent gewachsen ist, ist der Flächenverbrauch um 15,9 Prozent gestiegen. Heute kommt Bayern auf 320 Quadratmeter versiegelte Verkehrsfläche pro Einwohner im Gegensatz zu 277 Quadratmetern um die Jahrtausendwende. Damit ist für Ludwig Hartmann klar: „Wir brauchen ein effizienteres und optimiertes Bauen mit mehr Tiefgaragen und vor allem Leerstandsvermeidung innerorts. Dafür braucht es aber auch Kompromisse auf Behördenseite, etwa beim Denkmal- und Brandschutz.“

 

Foto: Andreas Gregor

 

Die Diskussion zum Flächenverbrauch im Tegernseer Tal fand in der Naturkäserei Tegernseer Land in der Gemeinde Kreuth statt, die besonders vom Ausflugsverkehr betroffen ist: In Kreuth ist die Bevölkerungszahl geschrumpft, während die Verkehrsfläche um 38,8 Prozent gewachsen ist.

 

Foto: Andreas Gregor

 

„In Sachen Flächenverbrauch läuft in ganz Bayern was falsch. Wir brauchen ein effizienteres und optimiertes Bauen mit mehr Tiefgaragen und vor allem Leerstandsvermeidung innerorts.“ – Ludwig Hartmann

 

Foto: Andreas Gregor

 

Dem Tandem-Gleitschirmflug ging ein Besuch beim Deutschen Gleitschirm- und Drachenflugverbands (DHV) in Dürnbach voraus. Geschäftsführer Robin Friess erläuterte die Aufgaben des Vereins, der unter anderem bundesweit Fluglizenzen vergibt, Fluggelände ausweist und eng mit dem Naturschutz zusammenarbeitet. Beispielsweise werden Flugzonen auf die Bedürfnisse der Tierwelt abgestimmt, wie etwa bei einem Steinadlerprojekt oder einer Uhu-Schutzzone, die in Brutzeiten nicht beflogen werden darf. Die Lenkung der rund 40.000 Mitglieder des Vereins erfolgt durch gute Vernetzung, auf naturrelevante Gegebenheiten kann so sehr schnell reagiert werden. So schafft man eine naturverträglichere Sportausübung und macht Gleitschirmfliegen zu einem Sport, der respektvoll und sensibel mit der Natur umgeht.

 

Foto: Andreas Gregor