Ludwig
Hartmann
Vizepräsident des
Bayerischen Landtags

Zum Jahrestag der Vergabe der Winterspiele 2018

Am 6.7.2012 – genau ein Jahr nach der Vergabe der XIII. Olympischen Winterspiele an den südkoreanischen Kandidaten Pyeongchang  durch das IOC – trafen sich am Freitag die Vertreter*innen des Netzwerks „NOlympia“ in Garmisch-Partenkirchen. „Ich kann mich noch gut an die große Erleichterung erinnern, die mich vor exakt einem Jahr überkam, als der IOC-Präsident die Vergabe an den südkoreanischen Kandidaten bekannt gab. Damit ist uns in Bayern ein ökologischer und ökonomischer Wahnsinn erspart geblieben: Die einseitige Aufbürdung aller Kosten und Risiken auf die Steuerzahler*innen durch die Knebelverträge des IOC, die ökologischen Folgelasten, die Fixierung auf unsinnige Straßenbauprojekte und die mangelhafte Nachhaltigkeit temporär zu errichtender Sportstätten“, so der Grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann, einer der Sprecher des Bündnisses. Nicht zuletzt hätte München 2018 die Abholzung von über 1500 alten Bäumen auf dem Gelände der Bundeswehr bedeutet.

Axel Doering, der das Bürgerbegehren in Garmisch-Partenkirchen initiiert hatte, wird heute noch des Öfteren auf die Olympiabewerbung angesprochen: „Die Erleichterung der Menschen, dass ihnen das Spektakel mit seinen untragbaren Eingriffen und der Missachtung der berechtigten Interessen vieler Bürger und Grundeigentümer erspart bleibt, wird immer deutlicher. Der Ort macht sich jetzt endlich daran seine Probleme anzugehen und nicht immer nur auf Olympia zu starren, das angeblich alle Probleme lösen sollte.“

Wie groß die negativen Aspekte seien, die München und Oberbayern erspart blieben, zeige auch weiterhin der von der Gesellschaft für ökologische Forschung veröffentlichte Internetauftritt www.nolympia.de. Dazu Sylvia Hamberger und Dr. Wolfgang Zängl: „Insbesondere ein Blick in die Ausrichterstädte Turin (2006), Vancouver (2010) und Sotschi (2014) zeigt die verheerenden ökologischen und finanziellen Auswirkungen von Olympischen Winterspielen in den unterschiedlichsten Gegenden des Globus. Je näher die Olympischen Sommerspiele London 2012 rücken, desto häufiger wird nicht nur Kritik an den ausufernden Kosten dieses Megaevents laut. Wir dokumentieren die immer nur stückchenweise an die Öffentlichkeit dringenden Fakten und Zahlen auf unserer Homepage www.nolympia.de . Sie hat bislang über 380.000 Besucher und wird auch ein Jahr nach der Entscheidung von hunderten Menschen täglich aufgerufen. Dies zeugt vom weiterhin ungebrochenen weltweiten Interesse an der Kehrseite der Olympischen Medaille.“

Mit Stolz erinnern die Bündnispartner an die geleistete ehrenamtliche Arbeit aller beteiligten Organisationen, Parteien und Privatpersonen, die dazu führte, dass gut 15.000 Unterzeichner*innen für die Unterschriftensammlung des Bündnisses gewonnen werden konnten. „Der Widerstand gegen Olympia 2018 hat gezeigt, was ehrenamtliches Engagement und die besseren Argumente alles leisten können: Durch unsere fundiert vorgebrachte Kritik am Konzept der Bewerbungsgesellschaft München 2018 ist das Thema in der Öffentlichkeit angekommen. Die Gesellschaft hat über die Frage „Winterspiele in Zeiten des Klimawandels“ diskutiert. Wir haben zahlreiche Veränderungen des Konzepts und mehr Transparenz bei den Plänen erstritten und zumindest in Garmisch-Partenkirchen echte Bürgerbeteiligung erreicht. Unsere Kritik ist auch dem IOC nicht verborgen geblieben!“, so Katharina Schulze (Sprecherin des Bündnisses NOlympia München).

Es habe sich gezeigt, dass engagierte, ausschließlich ehrenamtliche, Tätigkeit doch etwas gegen die bezahlten, millionenschweren Bewerber ausrichten könne. Im Gegensatz zur Bewerbungsgesellschaft gäbe es NOlympia noch. Bei einer erneuten Bewerbung müsse man also nicht mehr bei Null anfangen, sondern könne die gewonnenen Erfahrungen und Verbindungen nutzen.

Der Kontakt zwischen den Bündnispartnern bestehe laut einhelliger Aussage der Teilnehmer*innen auch weiterhin. So tausche man sich beispielsweise regelmäßig über naturschutzfachliche Belange und geplante Skierschließungen – auch über das Loisachtal hinaus – aus und begleite weiterhin kritisch die bereits begonnenen Straßenbauprojekte im Landkreis.
Auch international seien viele Kontakte zu anderen olympiakritischen Organisationen geknüpft worden: So sei ein intensives Kommunikationsnetzwerk mit kanadischen, österreichischen, schweizerischen, südkoreanischen, US-amerikanischen und französischen Gruppen entstanden. Diese vereinten Erfahrungen sollen auch zukünftigen Kritiker*innen Olympischer Winterspiele weltweit zur Verfügung stehen.

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