Riss im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bestätigt
Die Landtagsgrünen haben von Umweltminister Söder umfassende Aufklärung über den jetzt bestätigten Riss an einem Thermoschutzrohr im Primärkreislauf des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld gefordert: Wie der Betreiber E.on am Donnerstag einräumen musste, hat sich das auffällige Messergebnis, das im Sommer vergangen Jahres bei der Revision aufgetaucht war, tatsächlich als Riss erwiesen, obwohl der Betreiber dieses immer abgestritten hatte. Ursache des Risses ist laut E.on ein Konstruktionsfehler am Rohr, der bereits seit Inbetriebnahme des Atomkraftwerks im Jahr 1981 existiert. Wie E.on ebenfalls bestätigte, habe sich der Riss durch das Herunter- und Wiederanfahren des Atomkraftwerks weiterentwickelt. „Offenbar ist das AKW also von Anfang an mit einem falsch konstruierten Rohr gelaufen, ohne dass die Betreiber diesen Fehler entdeckt haben“, sagte der energiepolitische Sprecher Ludwig Hartmann. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass E.on diesen Vorgang jetzt erneut als unproblematisch abwiegelt. Nach der ganzen Vorgeschichte um diesen Riss ist aus unserer Sicht jegliches Vertrauen in die Beteuerungen des Betreibers verspielt.“
Söder als Chef der bayerischen Atomaufsicht müsse deshalb den Landtag umfassend über die Ergebnisse der Revision informieren, aber auch das Verhalten der bayerischen Behörden kritisch auf den Prüfstand stellen. Denn obwohl bereits im vergangen Sommer Auffälligkeiten bei dem Rohr entdeckt worden waren, hatte E.on im Einvernehmen mit der bayerischen Atomaufsicht den Reaktor ohne Austausch des Rohres weiterbetreiben dürfen. Erst nachdem sich die Reaktorsicherheitskommission des Bundes mit dem Fall beschäftigt hatte, ruderten die Verantwortlichen in Bayern zurück: Der Vorgang wurde als meldepflichtiges Ereignis veröffentlicht und der Ausbau des Rohres vereinbart. „Betreiber und Atomaufsicht haben hier auf Zeit gespielt und die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt“, kritisiert Ludwig Hartmann. „Das wirft ein erschreckendes Licht auf die Sorgfalt der bayerischen Atomkontrollen. Söder muss sich hier auf unangenehme Fragen gefasst machen.“
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- Pressebericht der Süddeutschen Zeitung vom 13.05.2011:
- http://www.sueddeutsche.de/bayern/akw-grafenrheinfeld-ein-haar-riss-im-kuehlsystem-1.1097201