11. Januar 2018

Smart Schools – Lernen und Bildung im digitalen Zeitalter

Positionspapier unserer Grünen Landtagsfraktion
Beschlossen auf unserer Winterklausur am 11.01.2018 in Bayreuth

Es ist höchste Zeit, dem reflexhaften Ruf nach „Digitalisierung der Schulen“ eine bildungspolitische Gesamtstrategie entgegenzusetzen. Wir müssen wegkommen von der Angstmacherei („totale Zwangsdigitalisierung des Unterrichts“, „Digitale Demenz“). Wir wollen die Chancen der Digitalisierung für die Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern nutzbar machen. Alle müssen – und dürfen – in einer digitalen Gesellschaft Neues dazulernen. Wir sind überzeugt davon, dass die Schulfamilie von der Digitalisierung profitiert, doch dafür müssen wir die politischen Rahmenbedingungen richtig setzen. Schule ist in vielerlei Hinsicht betroffen. Grüne Bildungspolitik stellt die Individualität der Schüler*innen in dem Mittelpunkt. Die digitalen Medien bieten hierfür neues didaktisch-pädagogisches Potenzial. Alle Kinder und Jugendlichen sollen in die Lage gebracht werden, die digitalen Medien souverän zu nutzen und sich sicher durch das Netz bewegen zu können. Auch bei der Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen können die neuen Technologien helfen: Inklusion, Zuwanderung, der Run auf die Gymnasien – das alles führt dazu, dass die Schulklassen heterogener und individuelle Förderung wichtiger werden. Lernen mit und über digitale Medien ist ein Schatz, der noch gehoben werden muss.

Digitale Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen – always on?

Mediennutzung, Medieninhalte und computervermittelte Kommunikation durchdringen zunehmend Bereiche des Lebens, die zuvor »medienfreie Inseln« des Alltags darstellten. Während der Zugang zu Information, Kommunikation und Unterhaltung zwar einerseits zahlreiche Chancen eröffnet, stellen andererseits ständige Erreichbarkeit, übermäßige Nutzung, sozialer Kommunikationsdruck und mögliche Konflikte zwischen Mediennutzung und anderen Tätigkeiten die Schattenseiten dieser Entwicklung dar. Gefahren und Nebenwirkungen der Digitalisierung müssen ernst genommen und abgewogen werden, Entscheidungen zum Schutz aller Beteiligten müssen getroffen werden.

In Deutschland wachsen heute Kinder und Jugendliche in Haushalten auf, in denen Computer, Handy und ein Internetzugang seit Jahren zur Grundausstattung gehören. 89,8 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzt das Internet. Die jüngste Altersgruppe nutzt täglich fast zwei Stunden lang mediale Inhalte im Netz (ARD-ZDF-Online-Studie 2017). Das Smartphone ist das meist genutzte Gerät für den Internetzugang: 96 Prozent von befragten 11-17-jährigen Jugendlichen einer Mainzer Studie gaben an, dass sie ein Smartphone haben und fast 90 Prozent verfügen über uneingeschränkten W-Lan-Zugang zuhause (Schülerbefragung der JG-Universität Mainz). Im Mediengebrauch lassen sich allerdings deutliche Unterschiede ausmachen – nicht nur anhand des Alters und des Geschlechts, sondern vor allem anhand des Bildungshintergrundes. Studien belegen, dass Jugendliche mit niedrigem Bildungshintergrund seltener auf das Internet als Informationsquelle zurückgreifen und dafür häufiger Unterhaltungsangebote nutzen. „Digital Divide“ ist heute also keine Frage mehr der Zugangsmöglichkeiten zum Internet, sondern vor allem eine Frage unterschiedlicher Nutzungsstile (siehe bspw. DJI-Kinderpanel).

Dem Bildungs- und Erziehungsauftrag auch im digitalen Zeitalter gerecht werden

Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Damit Schulen im digitalen Zeitalter ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllen und Schüler*innen auf das Leben gut vorbereiten können, müssen sich Lernkultur und Bildung ändern. Die Forderung, dass sich Kinder und Jugendliche zu mündigen, kritischen und verantwortungsbewussten Menschen entwickeln sollen, muss heute auch für das Verhalten im digitalen Raum gelten.

Für den Kompetenzerwerb in den Schulen ergeben sich im digitalen Zeitalter neue Herausforderungen. In der alten Industriegesellschaft des vorigen Jahrhunderts sollten die Menschen das, was sie in der Schule gelernt hatten, ein ganzes Leben lang anwenden. Deshalb brauchten sie gut eingeprägtes Sachwissen und solide Kenntnisse, auf die sie zeitlebens zurückgreifen konnten. In der Wissens- und Ideengesellschaft des 21. Jahrhunderts hat sich der Informationspool enorm erweitert, Informationen sind jederzeit verfügbar. Aber Informationen sind erst einmal nichts weiter als unbearbeitete Daten. Erst ein Lernprozess kann daraus Wissen erzeugen. Die Schüler*innen müssen lernen, sich die vorhandenen Informationen nutzbar zu machen, sie zu beurteilen, zu verstehen, anzuwenden und dadurch neues Wissen hervorzubringen. Hierfür brauchen sie eine fundierte Medien- und Digitalkompetenz.

Montessori 2.0 – Didaktisch-pädagogisches Potenzial der neuen Medien

Kern grüner Bildungspolitik ist es, alle Kinder stark zu machen. Jedes Kind soll dort abgeholt werden, wo es steht, es soll individuell bei seinem Entwicklungsweg begleitet und unterstützt werden. Kinder sollen von Anfang an lernen, selbständig zu arbeiten, eigenverantwortlich zu handeln, Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft zu übernehmen und sich selbst zu organisieren. Diese Ideen und Ideale aus der Reformpädagogik und der konstruktivistischen Didaktik können mit Hilfe digitaler Tools neu aufgegriffen werden. Das bedeutet „Montessori 2.0“ für uns. Abgesehen von organisatorischen Vorteilen für die Schüler*innen, wie der vereinfachte Zugang, die Speicherung und das Wiederabrufen von Informationen, stehen für uns also die pädagogischen Vorteile im Vordergrund. Digitale Medien können Lernprozesse vor allem in den Bereichen des individualisierten Lernens, des kreativen und immersiven Lernens sowie in der Zusammenarbeit unterstützen und tragen somit bei sinnvollem Einsatz entscheidend zur Verbesserung der Unterrichtsqualität bei.

Digitale Medien ermöglichen passgenaue Lernangebote für die Schüler*innen: Lernen muss nicht mehr nur auf das Klassenzimmer beschränkt sein, sondern kann mithilfe von mobilen Endgeräten und Apps überall und zu jeder Zeit stattfinden. Die Lernenden können sich theoretische Unterrichtsinhalte mit Erklärvideos und Begleitmaterialien in ihrem eigenen Tempo selbst aneignen. Im Unterricht lassen sich Freiräume für kommunikative und interaktive Lernarrangements schaffen. Video- und Audioaufzeichnungen, zum Beispiel von der Lehrkraft oder den Lernenden selbst erstellte YouTube-Tutorials oder Websites, bieten sich an, um Inhalte von Lernenden eigenständig erarbeiten zu lassen. Dies wirkt nicht nur besonders motivierend, sondern führt auch zu einer tieferen Wissensverarbeitung und zeigt zudem, ob etwas wirklich verstanden wurde. Bei der Erstellung von Videos oder Webseiten können die Schüler*innen eigene Schwerpunkte setzen und gestalterisch kreativ werden. Diese Entscheidungsfreiheit beeinflusst die Entwicklung der Lernerautonomie positiv. Dazu gehören u.a. Übungen mit unterschiedlichen Anforderungsstufen, welche die Kinder und Jugendlichen ihrem Lernfortschritt entsprechend auswählen und bearbeiten können. Bei diesem selbstgesteuerten Lernen, bei dem die Lernenden im Mittelpunkt stehen und ihre Lernprozesse selbst organisieren und die Ergebnisse überprüfen, übernehmen sie Verantwortung für Ihre Bildungs- und Lernprozesse. Das Netz macht es also möglich, teamorientierter und zugleich individueller zu arbeiten. Digital und online lernen eröffnet die Möglichkeit, eigenständig, entdeckend und selbsttätig zu lernen und bietet neue Chancen, über Klassen-, Alters- und sonstige Grenzen hinweg, gemeinsam an Lösungen zu feilen. In diesem Zusammenhang muss auch über neue Bewertungs- und Prüfungsformen nachgedacht werden.

Der medienbasierte Unterricht ist nicht per se besser (oder schlechter) als der „normale“ Unterricht. Die Rechnung „modernes Medium + Unterricht = moderner Unterricht“ geht sicher nicht auf. Digitale Medien bieten aber, wie beschrieben, neue Möglichkeiten der individuellen Förderung. Auf jeden Fall gilt: Zuerst die Pädagogik, dann die Technik. Lernen und Lehren mit digitalen Medien bedeutet nicht, bewährte Unterrichtsformen aus dem Schulalltag zu verbannen, sondern sie um neue Aspekte zu erweitern. Im besten Fall stellt ein mit digitalen Medien ergänzter und unterstützter Unterricht also die Fortsetzung guter individueller Förderung mit anderen Mitteln dar.

Digitale Souveränität – Know-how und Mündigkeit im Netz

Neben neuen Unterrichtsformen braucht es neue Inhalte. Wie ich Fakten von Fake News unterscheide, wie ich mich gegen Cyber-Mobbing wehre, wie ich mich sicher im Netz bewege, welche Möglichkeiten und welche Gefahren dort auf mich warten – all das muss Thema im Schulunterricht werden.

Der Einfluss der sozialen Medien auf die Meinungsbildung ist enorm. Meinungsbildung heute erfordert angesichts der Vielfalt vorhandener Informationen bzw. Quellen auch die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen, zu filtern und sich orientieren zu können. In einer demokratisch verfassten Gesellschaft ist es besonders wichtig, Meinungsbildungsprozesse zu reflektieren. Ein mündiges Mitglied der Gesellschaft braucht Wissen und Kompetenzen, um der digitalen Welt nicht ausgeliefert zu sein und sie selbst mitgestalten zu können. Um allen Kindern und Jugendlichen Teilhabe zu gewährleisten, bedarf es einer spezifischen „Digitalen Bildung“. Die Kompetenz, die zur Verfügung stehenden Medien und Informationen richtig zu nutzen, muss erarbeitet werden. Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse, der souveräne Umgang mit Technik und den Risiken digitaler Kommunikation. Wir sind der Meinung, dass es mehr braucht als Informatikunterricht, auch wenn Informatik sicher eine größere Rolle im Unterricht spielen muss. Die Informatik zielt auf das problemlösende Denken ab, „Digitale Bildung“ lehrt darüber hinaus den Umgang mit den neuen Medien.

Digitales Empowerment der Lehrkräfte

Man kann zeitgemäßen Unterricht heute nicht mehr sechs Stunden am Tag mit der Lehrkraft als zentraler Wissensfigur organisieren. Die digitalen Medien sind in der Lebenswelt der Schüler*innen angekommen und dort fest verankert. Wo Lehrkräfte einst einen Wissensvorsprung hatten, sind ihre Schüler*innen ihnen heute vielleicht um Lichtjahre voraus. Aber: Die Kinder und Jugendlichen nutzen die Technik meist intuitiv und nur sehr oberflächlich auf der basalen Bedienebene. Die Lehrkräfte müssen ihnen beibringen, wie sie diese Geräte produktiv, kreativ und sicher nutzen können.

Smartboards, Beamer, Tablets, Computer und Dokumentenkameras haben in den vergangenen Jahren Einzug in die Klassenzimmer gehalten. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur digitalen Bildung begrüßen Lehrkräfte und Schulleitungen zwar grundsätzlich die neuen Technologien, für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz fehlt es laut der Studie jedoch an Konzepten, Weiterbildung und Infrastruktur. So sind etwa 70 Prozent der Schulleitungen und Lehrkräfte davon überzeugt, dass digitale Medien die Attraktivität der Schulen steigern – zugleich glaubt weniger als ein Viertel (23 Prozent) der Lehrer*innen, dass diese dazu beitragen, die Lernergebnisse der Schüler*innen zu verbessern. Nur knapp zehn Prozent der Lehrkräfte setzen digitale Medien in ihrem Unterricht ein, die „kreatives, individuelles oder interaktives Lernen fördern“. Sie bemängeln in diesem Zusammenhang auch die unzureichenden technischen Rahmenbedingungen: drei Viertel der Lehrkräfte kritisiert die Unzuverlässigkeit der Medientechnik. Nur jede*r Dritte ist mit der WLAN-Qualität zufrieden. Jede*r Fünfte gibt an, dass es an der eigenen Schule kein drahtloses Internet gibt.

Wir wollen die Lehrer*innen ermächtigen, die neuen Möglichkeiten die sich durch den Einsatz von digitalen Medien ergeben, gewinnbringend im Unterricht einzusetzen. Die Vermittlung digitaler Bildung und der Einsatz digitaler Medien als Tools für individuelle Förderung gelingt nur mit den Lehrkräften. Hierfür müssen die Gelingensbedingungen für das Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter optimiert werden.

Demokratisierung der Schule mit digitalen Medien

Schule ist weit mehr als ein Lernort, sie ist auch Lebens- und Erfahrungsraum. Schulen müssen noch viel stärker zu Orten der Demokratiebildung werden, denn als Demokrat*in wird man nicht geboren, Demokratie muss man erlernen durch Erleben. Die Entwicklung einer demokratischen Identität ist nur möglich, wenn Kinder und Jugendliche selbst, innerhalb und außerhalb der Schule, Demokratie überzeugend leben und Vielfalt immer wieder neu gestalten. Die Schüler*innen müssen in der Schule erleben, dass sie etwas zu sagen haben, dass sie ein Stück Verantwortung tragen. Sie sollen immer wieder die positive Erfahrung machen, dass ihre Meinung zählt und dass sie innerhalb einer Gruppe aktiv an Diskussionen und Problemlösungen mitwirken können.

Digitale Medien ermöglichen den Schüler*innen, sich in die Gestaltung ihrer Schule einzubringen und dabei demokratisches Handeln selbst zu erproben. Online können sie eigene Ideen zur Veränderung ihrer Schulräume, der Hausordnung, der Ausstattung, von Veranstaltungen, Unterrichtsinhalten und außerschulischen Aktivitäten etc. einbringen, diskutieren und abstimmen. Dass so etwas funktioniert zeigt beispielsweise das Beteiligungskonzept „aula – Schule gemeinsam gestalten“, das den Schüler*innen aktive Mitbestimmung im Schulalltag ermöglicht.

Schule digitalisiert

Auch die Schulbetriebe selbst stellen sich den digitalen Herausforderungen – im Bereich der Bürokratie, Kommunikation oder Personalentwicklung. Hier sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgereizt oder werden entsprechend unterstützt.

Schulen sind auch Behörden und daher auf gewisse Abläufe, Regeln, Formalitäten und andere bürokratische Prozesse angewiesen. Das aktuelle Schulverwaltungsprogramm ASV stellt bislang aber keine Vereinfachung auf dieser Ebene dar. Der Einsatz von ASV raubt der Schulverwaltung und den Lehrer*innen ein hohes Maß an Zeit und Kraft, welche sie für ihr Kerngeschäft – das Unterrichten – dringender benötigen.

Der Einsatz von neuen Kommunikationsmitteln und der Aufbau des digitalen Informationssystems kann den Informationsaustausch zwischen Schule, Schulpersonal, Elternhaus und Schüler*innen vereinfachen. So haben sich einige Schulen bereits auf den Weg gemacht und nutzen sogenannte SchulApps zur Unterstützung der Kommunikation und Organisation innerhalb der gesamten Schulfamilie. In Bayern etwa nutzen Hunderte bereits das Programm Esis (Elektronisches-Schüler-Informationssystem), das die Kommunikation zwischen Schule und Eltern elektronisch regelt.

Auch für die Personalentwicklung können digitale Medien gewinnbringend eingesetzt werden: digitale Angebote wie Webinare oder MOOCs und digitale Kommunikationswege wie Videokonferenzen oder Austausch von Material über eine digitale Plattform können genutzt werden, damit sich alle, die am Schulleben beteiligt sind, orts- und zeitflexibel fortbilden und weiterentwickeln können.

Aktuelle Grundfragen: Standards und Finanzierung

Viele Schulen in Bayern suchen derzeit ihren Weg, um die Digitalisierung im Klassenzimmer umzusetzen. Hier gibt es unterschiedliche Wege: Es gibt Schulen die den Schüler*innen ein Gerät zur Verfügung stellen, an anderen Schulen beteiligen sich die Eltern an den Kosten der digitalen Medien oder es wird versucht, „bring your own device“ umzusetzen.

Viele Fragen stehen bei der konkreten Umsetzung der Digitalisierung in den Schulen noch im Raum. Die Finanzierung der technischen Ausstattung der Schulen ist ein Knackpunkt. Damit Schulen ihre Schüler*innen fit für das digitale Zeitalter machen können, brauchen sie nicht nur entsprechend ausgebildete Lehrkräfte und passende pädagogische Konzepte, sondern auch eine angemessene Ausstattung. Für all diese Bereiche müssen technische Standards definiert werden, die für jede einzelne Schule gelten und dann finanziell entsprechend ermöglicht werden.

Grüne Agenda für Lernen und Bildung im digitalen Zeitalter

1. Bayerischer Rahmenplan für Bildung und Digitalisierung
Es braucht eine Verständigung über Erziehung und Bildung im digitalen Zeitalter. Hier muss geregelt werden, welche Kompetenzen Schüler*innen im digitalen Zeitalter erlenen sollen. An allen Schulen und Schulformen muss ein Schulprogramm entwickelt werden, welches sich an diesem Rahmenplan orientiert. Der Rahmenplan sichert darüber hinaus, dass digitale Medien in schulische Lehr- und Lernprozesse verankert werden – sowohl in den unterschiedlichsten Fächern als auch in einem eigenen Schulfach.

2. Digitale Infrastruktur aufbauen + Breitband
Dies umfasst eine digitale Infrastruktur aus schnellem WLAN, technisch moderne Ausstattung der Klassenzimmer, digitale und didaktisch geeignete Endgeräte für die Schüler*innen, Präsentationstechnik für Klassenräume sowie digitale Unterrichtsmaterialien, mit denen die jungen Menschen individuell gefördert werden können.

3. IT-Meister*innen: professioneller technischer Support für Schulen
Für die Sicherung der technischen Funktionalität und Administration bis hin zu der technischen Wartung und Reparatur ist es notwendig, dass künftig IT-Fachleute angestellt werden, um die Wartung und Pflege der kompletten IT-Ausstattung zu übernehmen. Darüber hinaus sollen die IT-Meister*innen die Schulen selbst in den Bereichen der Schulverwaltung, Personalentwicklung und Kommunikation zwischen den Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern beraten.

3. Offensive für eine Lehrkräfteaus- und Fortbildung
Wir brauchen Lehrkräfte, die durch ihr Lehramtsstudium entsprechend auf das Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter vorbereitet sind und die Möglichkeiten haben, sich im Laufe ihrer schulischen Tätigkeit kontinuierlich in Fort- und Weiterbildung mit dem Thema des Einsatzes digitaler Medien auseinanderzusetzen. Medienpädagogische Ausbildungsinhalte müssen daher integraler Bestandteil der Ausbildung für alle Schularten und in allen Fachbereichen
sein und prüfungsrelevant verankert werden. In diesem Sinne ist Medienbildung sowohl
in den Bildungswissenschaften als auch in der fachbezogenen Lehramtsausbildung der
ersten und zweiten Phase in den Prüfungsordnungen ausreichend und verbindlich zu
verankern.

4. Digitalkunde für alle
Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben und wenn sich das Leben ändert, kann die Schule nicht bleiben, wie sie ist. Die digitale Welt muss deshalb endlich an den Schulen Einzug halten. Nicht nur mit Tablets und Glasfaser, sondern mit neuen Unterrichtsformen und neuen Inhalten. Wie ich Fakten von Fake News unterscheide, wie ich mich gegen Cyber-Mobbing wehre, wie ich mich sicher im Netz bewege, welche Möglichkeiten und welche Gefahren dort auf mich warten – all das muss Thema im Schulunterricht werden. Die virtuelle Welt ist längst Teil der Realität geworden. Sich dort zu bewegen ist eine Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Deshalb wollen wir ein Fach Digitalkunde ab der ersten Klasse einführen, damit alle digital kompetent sind und nicht nur diejenigen, die das von ihren Eltern vermittelt bekommen. Oder von Google, Facebook und Co.

5. Nutzung von W-LAN an den Schulen
Der Vorrang von kabelgebundenen Datennetzen an den Schulen sollte ergänzt werden
durch eine eigenverantwortliche Entscheidung der Schulfamilie. Denn vielfach sind
pädagogisch begründete und konzeptionell entwickelte Unterrichtskonzepte erarbeitet
worden, welche die Nutzung von W-LAN als Voraussetzung haben bzw. dadurch deutlich
erleichtert würden. In den Schulen gilt es abzuwägen, wie W-LAN unter Einbeziehung
medienpädagogischer, gesundheitlicher, wirtschaftlicher, sozialer und inhaltlicher
Faktoren verantwortungsvoll genutzt werden kann.

6. BYOD statt Handyverbot
Im Rahmen der digitalen Bildung soll zusätzlich der Einsatz von schülereigenen Geräten
(bring-your-own-device) im Unterricht ermöglicht werden. Das ungeheure Potenzial,
welches der Einsatz von eigenen mobilen Geräte mitbringen kann, wird so
gewinnbringend für den Unterricht eingesetzt. Wir wollen den Schulen einen
Vertrauensraum geben, anstatt diese zu nötigen, ein Verbot zu untergraben.

7. Finanzierung: Sonderprogramm Schule digital
In den kommenden Jahren muss die Bildungspolitik stärker unter dem Blickwinkel der
Digitalisierung betrachtet und die Digitale Agenda in den Haushalten verankert werden.

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Hier finden Sie unser Klausurpapier in der gelayouteten Version als pdf-Datei.

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